Der Meinung wurde am Montag, den 21. Juli 2008 um 18:11 Uhr veröffentlicht und wurde unter Wirtschaft abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Karachi ist eine Stadt, die von Europa aus gesehen weit entfernt scheint.
Allerdings existiert der Begriff “weite Entfernung” in der globalisierten Wirtschaft kaum noch. Die Phänomene haben, so scheint es, lediglich eine andere Ausprägung.
Der Kurssturz des deutschen Aktienindex Mitte Juli 2008 - im Vergleich zum Jahreshoch im Januar 2008 war damit der beträchtliche Wertverlust von 20% erreicht - auf einen Jahrestiefststand, wurde mit dem hohen Ölpreis und den Gerüchten um die beiden US-Hypothekenriesen Freddie Mac und Fannie Mae begründet.
Ungefähr zur gleichen Zeit zeigten sich die deutschen Verbraucher in übelstmöglicher Stimmung - steigende Energiepreise, steigende Erzeugerpreise, eine unerwartet hohe Inflationsrate, ein starker Euro, der immer mehr zum Risiko für die Wirtschaft wird, alle diese Faktoren mündeten in einer allgemein gedrückten Stimmung.
Eine Stimmung, die schon etwas von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung hat. Denn wer für seine wirtschaftliche Zukunft schwarz sieht, der drosselt den Konsum.
Und eine lahmende Binnennachfrage ist für die Wirtschaft der berühmte Klotz am Bein.
Nimmt man beides zusammen: ein schlechter Stand der Aktienkurse, eine allgemein schlechte Konsumstimmung und mischt diesen beiden Zutaten noch ein gewisses Temperament hinzu, dann erhält man Sprengstoff. Zumindest in Pakistan.
Denn, und damit wären wir wieder in Karachi, dort wurde am Samstag, dem 19. Juli die Börse “zerlegt”, wie es in der liebevollen Formulierung einer Meldung hieß.
Vielleicht haben sich die Pakistani ja nur so verhalten, wie es Börsianer öfter tun. Jedenfalls scheint die Börse niemals der Ort meditativer Gelassenheit zu sein.
Krawall in Karachi, Konjunkturpessimismus in Europa. Ob der Abschwung schon da ist und welche Auswirkungen er haben wird, ist zur Zeit noch strittig. Zwischen der Feststellung, dass sich die konjunkturelle Lage abkühle und der Behauptung, dass sich die Wirtschaft auf direktem Wege in die Rezession befinde, liegt noch eine breite Interpretationsspanne.
Viel hängt davon ab, wie sich Fannie Mae und Freddie Mac behaupten. Ihr Bankrott würde eine globale Krise auslösen. Also müsste die US-Regierung dies auf jeden Fall verhindern. Was wiederum den US-Staatshaushalt arg strapaziert, was wiederum die weltpolitische Gestaltungskraft der einzigen noch überlebenden Supermacht beschränken dürfte. Stichwort Irak und Afghanistan. Und hier käme dann die deutsche Bundeswehr ins Spiel …
Auch kein Grund für Optimismus.
















