Nordzucker übernimmt Danisco Sugar

13.08.2008 Autor: Kai Rebmann

Der in Hamburg ansässige deutsche Zuckerhersteller Nordzucker hat nun seinen dänischen Konkurrenten Danisco Sugar übernommen, wodurch sich die Situation auf dem sich ohnehin im Umbruch befindlichen europäischen Situation noch einmal deutlich verändert hat. Das Geschäft ist jedoch für beide Seiten äußerst lukrativ, da der Danisco-Konzern seine Zuckersparte loswerden wollte, um sich in Zukunft noch intensiver seinem eigentlichen Kerngeschäft, Herstellung und Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, widmen zu können. Nordzucker überwies für den Kauf geschätzte 750 Millionen Euro auf das Konto von Danisco und erhält dafür im Gegenzug die komplette Zuckersparte der Dänen inklusive der vorhandenen Infrastruktur. Hans-Gerd Birlenberg, Vorstandsvorsitzender bei Nordzucker, zeigte sich mit dem Abschluss sehr zufrieden und erhofft sich nach der Erschließung des skandinavischen Zuckermarkts eine Jahresumsatzsteigerung von bisher 1,3 Milliarden Euro auf stattliche 2,2 Milliarden Euro. Damit liegt Nordzucker zwar immer noch deutlich hinter dem in Mannheim ansässigen Konkurrenten Südzucker zurück, der mit knapp 6 Milliarden Euro Jahresumsatz Marktführer auf dem europäischen Zuckermarkt ist, kann seinen Umsatz aber dennoch fast verdoppeln. Der skandinavische Zuckermarkt gehört indes zu den attraktivsten Märkten in Europa, da dort immer noch die höchsten Zuckerpreise erzielt werden können. Die Preise für Zucker sind im EU-Raum zuletzt stark eingebrochen, nachdem die EU-Kommission dem Rat der Welthandelsorganisation gefolgt war und die Zuckerpreise gesenkt hat.Danisco Sugar hatte in den drei skandinavischen Ländern Dänemark, Schweden und Finnland bisher einen Marktanteil von 70 %. Als Quereinsteiger in den nordeuropäischen Zuckermarkt umgeht Nordzucker das Problem der relativ geringen Bevölkerungsdichte in Skandinavien, da die bereits vorhandenen und erprobten Verkehrs- und Zulieferwege 1:1 von Danisco Sugar übernommen werden. Für Neueinsteiger ist es heute kaum mehr möglich, den skandinavischen Markt wirtschaftlich rentabel zu erschließen. Da der internationale Zuckermarkt immer mehr von den großen Konzernen bestimmt wird und die kleineren Zuckerhersteller folglich in den Hintergrund rücken, gehen Brancheninsider davon aus, dass noch weitere Unternehmen dem Beispiel von Danisco folgen werden. Unbestätigten Berichten zufolge spielt auch der spanische Lebensmittel-Riese Ebro Puleva mit dem Gedanken, seine Zuckersparte zu veräußern, um stattdessen das Geschäft mit seiner Hauptmarke “Euryza-Reis“ auszubauen. Ein möglicher Käufer könnte dabei Südzucker sein. Wie ein Südzucker-Sprecher erklärte, stünde der europäische Zuckermarkt unter ständiger Beobachtung der Konzernspitze in Mannheim, um dann bei entsprechenden Angeboten aktiv zu werden und das Wachstum von Südzucker weiter voranzutreiben. Der Sprecher betonte aber auch, dass es derzeit keine spruchreifen Beschlüsse in diese Richtung gäbe.     

  


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