H&M

31.07.2008 Autor: meinung.info 

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Der Sommer ist die mediale Saure-Gurken-Zeit.
Soll man einen Zufall vermuten, dass die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Medienflaute nutzte, um eine Attacke gegen die Modekette H&M zu reiten?
Es handelte sich um eine “Frontal21″-Attacke, denn das Politmagazin des ZDF war es, das die Vorwürfe formulierte. Oder, aus der anderen Richtung gesehen, das der Gewerkschaft ein Forum bot.
Um was ging es? H&M wird vorgeworfen, die Gründung von Betriebsräten massiv zu behindern. Offensichtlich erfolgreich, denn nach Gewerkschaftsangaben haben von 300 Filialen nur etwa 70 einen Betriebsrat.
Ein Zustand, der einen Gewerkschaftler eher stören dürfte als die Geschäftsleitung des schwedischen Unternehmens.
Flankiert wurden diese Vorwürfe von einer Studie eines Soziologen der Hans-Böckler-Stiftung.
Zumindest in seiner Online-Veröffentlichung verzichtet das ZDF auf den Hinweis, dass sich diese Stifung selbst als “Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes” bezeichnet. “Gewerkschaftsnah” lautet das Attribut, das in solchen Fällen Verwendung findet.
Der Autor der soziologischen Studie konstatiert, dass die Mitarbeiter von H&M unter “Stress, Unterbesetzung und gefühlter Überforderung” litten, dass weiterhin die “Kompromiss- und Konfliktfähigkeit bei Führungskräften” fehle. In dieser Hinsicht sieht sich der Autor gezwungen, Vorwürfe aus dem Jahr 2006 zu wiederholen, als eine Studie zu gleichartigen Ergebnissen kam.
Nun könnte man sarkastisch anmerken, dass es um die “Konfliktfähigkeit” der Führungskräfte gar nicht so schlecht bestellt sein kann, wenn die Gründung von Betriebsräten derart massiv behindert wird, wie von Gewerkschaftsseite beklagt.
Einer der Gründe, warum man unsere modernen Zeiten lieb haben muss, ist deren eklatanter Mangel an Langeweile. Jedes Problem hat so viele Facetten, dass für Missverständnisse, Grübeleien und unterhaltsamen Streit immer Gelegenheit bleibt.
So auch hier. Aber konzentrieren wir uns auf die Frage dessen, was man unter “Unternehmenskultur” subsummieren könnte. Wie gibt sich das Unternehmen nach außen, welches Profil hat es nach innen?
Und hier lohnt es sich, die Meinungsbeiträge zu betrachten, die in dem entsprechenden Forum auftauchten.
Mit den Vorwürfen von “Gehirnwäsche” und “Manipulation” wird in einzelnen Beiträgen schweres Geschütz aufgefahren, die sich bis zur Feststellung sektenartiger Strukturen bei H&M steigern.
Die ver.di-Vorwürfe hinsichtlich Stress und Überarbeitung werden teilweise bestätigt. Das Gegenfeuer ist entsprechend. Was auf der einen Seite Manipulation genannt wird, wird dort als Motivation verstanden. Wird von der einen Seite Stress und Überforderung beklagt, wird in den Antworten auf die Situation im Einzelhandel verwiesen und die (rhetorische) Frage gestellt, ob es denn irgendwo anders ablaufen würde. Im Übrigen werden die Vorteile des Unternehmens aufgezählt und darauf hingewiesen, dass man mit seinen Vorgesetzten über Probleme reden könne.
Was also findet bei H&M statt? Selbstausbeutung von manipulierten Mitarbeitern bis zur physischen und psychischen Erschöpfung, einschließlich des Verzichts auf Familienleben, wie berichtet?
Oder darf sich das schicke Mode-Unternehmen über engagierte Mitarbeiter freuen, die in hoher Motivation am Erfolg mitwirken?
Ist der Umgang mit den Mitarbeitern so rabiat wie von ver.di in Einzelfällen berichtet? Oder dienen Betriebsräte nur dazu - und hier müsste es Gewerkschaftlern in den Ohren klingeln - den notorischen Nörglern und Faulpelzen einen gesetzlichen Rückhalt als Betriebsrat und noch mehr Möglichkeit zur Drückebergerei zu bieten? Was in dieser Drastik im Forum zu lesen war.
Ist das “Personalpolitik 2.0″ gegen Gewerkschaftsmachtstreben? Das Thema wird mehr als Sommertheater sein.


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