Der Meinung wurde am Samstag, den 19. Juli 2008 um 22:50 Uhr veröffentlicht und wurde unter Wirtschaft abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Die Zeit der Fusionen und Übernahmen schien vorerst abgelaufen zu sein.
Erstens, weil sich auch im “Himmel geschlossene” Firmenhochzeiten wie die von Daimler und Chrysler bald als Mesalliance entpuppten und nach üblichem Scheidungsmuster mit hohen Zahlungen beendet werden mussten. Zweitens, weil die Banken in den letzten Monaten meist viel zu sehr damit beschäftigten schienen, die eigenen Wunden zu lecken, statt Fusionen einzufädeln.
Mitte Juli ließ das Familienunternehmen Schaeffler aufhorchen - was bisher gemunkelt wurde, war somit offiziell bestätigte Nachricht. Schaeffler will Conti.
Das Angebot seitens des Herzogenauracher Unternehmens Schaeffler beläuft sich beim derzeitigen Stand der Informationen auf die Summe von 11,2 Milliarden Euro, was einer Bewertung der Einzelaktie von 69,37 Euro entspricht.
Analysten schätzen allerdings den wirklichen Wert des Autozulieferers Continental wesentlich höher ein - mit 80 bis 100 Euro pro Aktie, entsprechend einer Gesamtsumme von 14 bis 16 Milliarden Euro.
Wer spielt bei dem Conti-Monopoly mit?
Als Darsteller treten auf: das Familienunternehmen Schaeffler, Continental, die unwillige Braut, die Banken als “Schaeffler-Hunde”, die Gewerkschaften.
Beginnen wir mit dem Unternehmen Schaeffler. Die INA-Schaeffler KG hat nur zwei Gesellschafter: Georg Schaeffler, der in den USA als Anwalt arbeitet und, der wichtigere Part, seine Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler. Diese Unternehmerin vereint zwei Eigenschaften, die selten zusammenkommen: Verschwiegenheit und Macht. In die Medien geriet sie 2001 als sie den börsennotierten FAG Kugelfischer-Konzern gegen den Willen des Managements übernahm. Im Falle Conti hat sich INA-Schaeffler per Optionsgeschäft den Zugriff auf mehr als 30% der Aktien gesichert.
Continental, bekannt in der Öffentlichkeit vor allem als Reifenhersteller, geriet schon 2006 in das Blickfeld von Finanzinvestoren. Tatsächlich werden jetzt Vorwürfe an Conti-Chef Manfred Wennemer laut, dass er die Firma durch Aufnahme hoher Kredite zwecks Ankauf von VDO in eine schwache Position manövriert habe.
Wennemer erklärte sich bisher dazu bereit, einen Ankauf von maximal 20% der Conti-Aktien zu akzeptieren, sprach sich aber vehement gegen eine Kontrollmehrheit von mehr als 30% aus. In Interviews zeigt er sich zudem von den Banken enttäuscht.
Besonders im Fokus des Wirtschaftskapitäns: die Dresdner Bank. Die “Dresdner”, zugleich Conti-Hausbank, ist führend an dem Schaeffler-Deal beteiligt.
Die Gewerkschaften haben Widerstand angekündigt. Ihr Horrorszenario: Schaeffler kauft Conti und beginnt, den Konzern gewinnbringend zu zerlegen.
















