Der Meinung wurde am Dienstag, den 02. Juni 2009 um 08:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter Verschiedenes abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Ein Pleonasmus ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Sachverhalt mit zwei Begriffen ausgedrückt wird, ohne dass die Ergänzung den Informationsgehalt erweitert. Es handelt sich um die häufigste Unterart der Tautologie.
Mitunter ist ein Pleonasmus als Stilmittel durchaus gewollt, offensichtlich unbeabsichtigte Pleonasmen gelten jedoch als stilistisch schlecht.
Das beliebteste Beispiel für einen Pleonasmus in den meisten Lehrbüchern der Sprachwissenschaft ist der weiße Schimmel. Diese Bewertung beruht darauf, dass vorausgesetzt wird, dass ein Schimmel immer weiß ist. Würde diese Annahme stimmen, wäre der Begriff tatsächlich ein geeignetes Beispiel für einen Pleonasmus. Da ein Schimmel in Wirklichkeit nicht zwingend weiß sein muss, beweist die Anführung dieses Beispiels mangelhafte Pferdekenntnisse der Autoren.
Jeder, der einmal ein Schimmelrennen auf einer Trabrennbahn gesehen hat, konnte feststellen, dass weiße Schimmel in der Minderheit waren. Bei einem solchen Rennen laufen graue Pferde mit unregelmäßigen weißen Zeichnungen, die als Apfelschimmel bezeichnet werden und ahnen lassen, dass sie einmal weiß sein werden.
Daneben finden sich Rappschimmel, Fuchsschimmel und Braunschimmel. Diese zeigen bereits weiße Flecken, sind aber häufig noch überwiegend schwarz oder weiß.
Ein ganz weißes Pferd wird als Atlasschimmel bezeichnet, so dass “ein weißer Atlasschimmel” tatsächlich ein Pleonasmus ist; das gleiche gilt auch für einen “grau-weißen Apfelschimmel”.
Was ist ein Schimmel?
Ein Schimmel ist ein Pferd beliebiger Farbe, welches über das Grey-Gen verfügt. Es wird in einer anderen Farbe geboren und schimmelt im Laufe seines Lebens aus. Dabei werden alle Schimmel im Laufe ihres Lebens tatsächlich weiß, dieser Effekt tritt aber häufig erst im hohen Alter auf. Bei einigen Pferden erfolgt die Ausschimmelung schon früher. Während des Ausschimmelns wird das Pferd je nach der dominierenden Fellfarbe als Rappschimmel, Braunschimmel, Fuchsschimmel, Blauschimmel oder Apfelschimmel bezeichnet. Dabei sind Apfelschimmel- und Blauschimmel Zwischenstadien während der Entwicklung des in seiner Grundfarbe geborenen Pferdes.
Erst am Ende der Phase der Ausschimmelung, während der sich der Anteil der weißen Farbe am Fell kontinuierlich erhöht, kann ein Schimmel nahezu vollständig weiß sein. Dieses Pferd heißt dann Atlasschimmel, während der Rosenschimmel kleine rote Farbtupfer, die im Fachjargon als Farbtupfen bezeichnet werden, im Fell aufweist und der Fliegenschimmel über diese in brauner, schwarzer und roter Farbe verfügt. Sowohl der Rosen- als auch der Fliegenschimmel sind ausgeschimmelt und werden somit nicht vollständig weiß.
Es gibt bei einigen Pferderassen auch weiße Pferde, welche nicht über das Grey-Gen verfügen. Diese werden im Volksmund häufig als Schimmel bezeichnet, nach den Richtlinien der für die Pferdezucht verbindlichen Fachsprache ist diese Benennung falsch.
Ein stichelhaariges Pferd wird zwar als Dauerschimmel bezeichnet, seine teilweise weiße Fellfärbung wird jedoch durch das Roan-Gen vererbt. Gescheckte Pferde besitzen mitunter einen derart hohen Anteil weißer Fellfärbung, dass sie wie Schimmel aussehen, sie sind aber keine.
Wikipedia gibt korrekte Beispiele
Zu den wenigen Lexika, die den “weißen Schimmel” nicht unzutreffend als ein Beispiel für den Pleonasmus angeben, zählt Wikipedia. Dort wird sogar ausführlich dargestellt, warum dieses Beispiel falsch ist. Das Duden Fremdwörtebuch hält hingegen bei der Erklärung des Pleonasmus an diesem Begriff fest.


