Der Meinung wurde am Freitag, den 11. September 2009 um 21:54 Uhr veröffentlicht und wurde unter Verschiedenes abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Für das weltliche Neujahrsfest ist das frühzeitige Versenden der Neujahrskarten üblich und sinnvoll. Wenn der Gruß zu Neujahr nicht bereits in die Weihnachtskarte integriert wurde, soll die entsprechende Karte spätestens zu Silvester ihren Empfänger erreicht haben. Beim jüdischen Neujahrsfest besteht eine andere Tradition, welche offenbar oft vergessen wird. Das jüdische Neujahrsfest findet zu Beginn des Monats Tischri statt, welcher in der Zählung jedoch als siebter Monat gilt. Das Datum bezieht sich auf ein für alle Lebewesen wesentliches Ereignis, da die Jahre seit der Erschaffung der Welt gerechnet werden.
Das Neujahrsfest als Beginn der Bußtage
Das jüdische Neujahrsfest ist in erster Linie der Beginn der zehn Bußtage, welche mit dem Versöhnungstag (Jom Kippur) enden. Während jener primär der Versöhnung mit Gott dient und ein strenger Fastentag ist, sollen die Tage zwischen Neujahr und dem Versöhnungstag der Versöhnung mit den Mitmenschen dienen.
Während dieser Zeit bitten wir jeden Menschen um Verzeihung für Verletzungen, welche wir ihm möglicherweise zugefügt haben. Die Neujahrskarte ist ein Mittel, diese Bitte gegenüber Menschen zu äußern, welche wir nicht persönlich besuchen können. Traditionell wird diese Neujahrskarte während der Bußtage geschrieben; der Neujahrstag selber gilt als Feiertag, an dem kein Werk getan werden darf, so dass das Schreiben während dieses Tages nicht möglich ist; in den meisten Gemeinden gilt diese Regel auch für den zweiten Tischri. Es ist gut, am dritten Tischri mit dem Schreiben der Karten zu beginnen, damit diese am Tag vor dem Versöhnungstag beim Empfänger ankommen. Das gleiche Zeitfenster gilt auch, wenn die Neujahrsgrüße per Mail übermittelt werden.
Das verfrühte Schreiben der Neujahrsgrüße
Das Neujahrsfest ist auch ein frohes Fest. So essen wir Honigkuchen und in Honig eingetauchte Apfelstücke, um damit unserem Wunsch nach einem süßen Jahr Ausdruck zu verleihen, wobei mit einem süßen Jahr ein angenehmes und erfreuliches Jahr gemeint ist. Wer alleine diesen Aspekt des Neujahrsfestes sieht und dessen Eigenschaft als Aufruf zur Versöhnung nicht wahrnimmt, neigt leicht dazu, die Glückwunschkarten gemäß der zu anderen Festen üblichen Tradition vorzeitig zu versenden. Damit wird dem Empfänger signalisiert, dass der Absender die Tradition der Gewissensprüfung während der Bußtage hinsichtlich des Verhaltens gegenüber den Mitmenschen nicht beachtet. Natürlich lässt dieses bereits im Elul erforschen, die besondere Bedeutung der Bußtage darf jedoch nicht unterschätzt oder relativiert werden.



