Pilgerreisen werden immer beliebter, nicht zuletzt seit dem Bestseller von Hape Kerkeling, der seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg in den Pyrenäen zu Papier gebracht hat. Nun gibt es in Israel, der Wiege des Christentums, mit dem Jesus-Weg ein entsprechendes Pendant. Der Jesus-Weg ist 65 km lang und führt von Nazareth, dem Wohnort des jungen Jesus Christus, über verschiedene Pilgerstätten bis nach Kapernaum, wo sich Jesus ebenfalls einige Jahre niedergelassen hatte. Der Jesus-Weg ist eine Idee des Israeli Maoz Inon, der sich dabei die Unterstützung des US-Amerikaners David Landis sichern konnte, der bereits über Erfahrung mit ähnlichen Projekten verfügte. Landis weist zwar darauf hin, dass der Jesus-Weg noch nicht ausgeschildert sei, mittels den online abrufbaren GPS-Koordinaten sei die richtige Route dennoch leicht zu finden. Zudem seien die Wegbeschreibungen und Landkarten in den Tourismusbüros in Israel sehr zuverlässig. Der Jesus-Weg ist in vier Etappen zu jeweils einem Tag ausgelegt. Übernachtungsmöglichkeiten für die Pilger finden sich vor allem in Nazareth, das so etwas wie das Basislager des Jesus-Wegs bildet. Von Nazareth fahren die Pilger dann zu den Ausgangspunkten der jeweiligen Tagestour. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit im mitgebrachten Zelt direkt am Jesus-Weg zu übernachten, was gewiss seine ganz eigene Romantik birgt. Im Zentrum des Interesses steht bei den meisten Israel-Pilgern natürlich der See Genezareth. Viele Wunder, die Jesus nach biblischer Überlieferung vollbracht haben soll, spielten sich direkt am See Genezareth oder in dessen unmittelbaren Umfeld ab. So soll am See Genezareth im Rahmen einer Hochzeitsfeier Wasser zu Wein geworden sein sowie die Speisung der Fünftausend mit nur fünf Broten und zwei Fischen stattgefunden haben. Der Panoramablick rund um den See Genezareth ist ebenso eindrucksvoll wie einmalig. Fast nirgends ist Israel landschaftlich reizvoller als in dieser Gegend. Nicht wenige Pilger hatten während ihres Aufenthalts am See Genezareth das Gefühl, dass die Zeit hier während der letzten 2.000 Jahre stehengeblieben ist. Dass der Schein trügt, verraten dann schließlich mehrere Bauwerke aus verschiedenen Jahrhunderten der nachchristlichen Zeit, z.B. die Ruinen einer Synagoge, die im 4. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde. Aufgrund der Hitze im Sommer und der ergiebigen Regenfälle im Winter ist die beste Zeit für eine Pilgerreise auf dem Jesus-Weg entweder im März und April oder von September bis November. Der Jesus-Weg bietet nicht nur gläubigen Pilgern eine perfekte Gelegenheit, Israel von seiner ruhigen und schönen Seite kennenzulernen, die ganz im Gegensatz zu den Bildern aus den täglichen Nachrichten stehen.