Der Meinung wurde am Montag, den 14. Juli 2008 um 10:33 Uhr veröffentlicht und wurde unter Ägypten Urlaub abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Als Mosesberg gilt der Berg Sinai oder Horeb, wo Moses während des Auszuges aus Ägypten nach christlicher Sicht die Zehn Gebote, nach jüdischer Sicht jedoch die gesamte schriftliche und mündliche Tora erhalten hat. Nach jüdischer Lehre sind die Begriffe Horeb und Berg Sinai von Alters her für denselben Berg alternativ benutzt worden.
Der Berg wird einerseits von Individualreisenden besucht; andererseits stellt er einen Programmpunkt bei Rundreisen, die sich in besonderer Weise an Christen richten, dar.
Hierbei überrascht weniger, dass christliche Pilgergruppen diesen Berg besuchen, als dass er bei Rundreisen, die sich primär an jüdische Teilnehmer wenden, nur selten zum Programm gehört.
Auf dem Berg befinden sich sowohl eine christliche Kapelle als auch eine Moschee, jedoch keine Synagoge. Am Fuße des Berges hat sich das christliche Katharinenkloster angesiedelt. Damit ist die Infrastruktur für christliche Pilger hervorragend entwickelt.
Ein Abstecher auf die Sinai-Halbinsel ist während einer Israel-Reise möglich, seit der Friedensvertrag zwischen beiden Ländern in Kraft getreten ist. Auch israelische Staatsbürger können nach Ägypten einreisen und nutzen diese Möglichkeit in stetig wachsendem Umfang für Badereisen an den ägyptischen Teil des Roten Meeres.
Dafür, dass der Mosesberg, obgleich er eine für die jüdische Religion sehr wichtige Stätte darstellt, nur selten von jüdischen Reisenden besichtigt wird, sind mehrere Gründe zu nennen. Juden aus der Diaspora, die erstmalig eine Israel-Reise unternehmen, finden im Land selber unzählige Orte vor, deren Besuch unverzichtbar ist, sodass sich eine Fahrt über die Landesgrenzen hinaus nicht anbietet. Beim Berg Siani ist es geradezu von elementarer religiöser Bedeutung, dass er sich außerhalb des Landes befindet. Diese Lage galt schon den Weisen des Talmud als Symbol, dass jeder, der möchte, zur Tora hinzutreten darf. Zudem ist das Pilgern zu bedeutsamen Orten im Judentum weniger verbreitet als bei Christen. Ein Besuch in Jerusalem und das Beten an der Westmauer des Tempels ist zwar Bestandteil eines jeden Israel-Besuches und Reisende nach Litauen besuchen in Vilnius das Grab des Gaon, wie einer der größten Gelehrten des Landes genannt wird. Die Synagoge auf Djerba ist sogar das Ziel großer Pilgerströme. Dennoch ist das größte Heiligtum des Judentums keines aus Stein, sondern eines der Zeit. Als wichtigstes jüdisches Heiligtum gilt der wöchentliche Ruhetag, der Schabbat.
Ein weiterer Grund, warum nur wenige Juden den Mosesberg besuchen, ist die Scheu vor jedem Personenkult. Je größer die religiöse Bedeutung eines Menschen, um so ausgeprägter ist die Furcht, dass ihm gegenüber ein Personenkult entstehen könnte.
Nicht zuletzt verbindet die jüdische Erinnerung mit der Gabe der Tora auch einen Tiefpunkt bei der Auswanderung aus Ägypten. Als Moses nach Meinung des Volkes zu lange auf dem Berg verblieb, schuf dieses das Goldene Kalb.
Es ist möglich, verstärkt jüdische Reisende zu einem Besuch auf dem Berg Sinai zu motivieren. Die Reiseleitung muss sich dann unbedingt dessen bewusst sein, dass nicht alleine zehn, sondern alle 613 Gebote einschließlich ihrer halachischen Auslegungen hier gegeben wurden. Um jeden Verdacht eines Personenkultes auszuschließen, spricht sie im Idealfall vom Berg Sinai oder Horeb.



