Der Meinung wurde am Dienstag, den 27. Juli 2010 um 18:14 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lifestyle abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Es sollte ein Neuanfang für die Loveparade werden, als das Festival im Jahr 2007 von der Hauptstadt Berlin ins Ruhrgebiet umzog. Einen Neuanfang sollte es auch am Standort Duisburg geben, nachdem die Loveparade in Bochum im Vorjahr wegen Sicherheitsbedenken kurzfristig abgesagt werden musste. Während man beim Nachbarn in Bochum vor Jahresfrist noch auf die Warnungen hörte, wollte man in Duisburg die Loveparade offenbar trotz ähnlicher Bedenken um jeden Preis durchziehen und der blassen Stadt damit zu neuem Glanz verhelfen.
20 Tote und weit über 500 Verletzte lautet das traurige Fazit der Loveparade in Duisburg, das einem Festival dieser Größenordnung allem Anschein nach doch nicht gewachsen war. Längst hat die Suche nach Schuldigen und Verantwortlichen für die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg begonnen. Polizei, Veranstalter und Stadtverwaltung, allen voran Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), schieben sich den Schwarzen Peter dabei gegenseitig in die Schuhe.
Vor der Loveparade wurde seitens der Polizei und weiterer Institutionen auf das Nadelöhr am einzigen Zugang zum Festival-Gelände hingewiesen. Der Veranstalter Lopavent GmbH meldete 500.000 Teilnehmer für die Loveparade an, bekam von der Stadt Duisburg jedoch nur die Hälfte genehmigt – zum Zeitpunkt der Massenpanik sollen sich weit über eine Million Raver auf dem Festival befunden haben. OB Sauerland soll trotz gegenteiliger Behauptungen bereits im Vorfeld über die Warnungen informiert gewesen sein und trotzdem grünes Licht gegeben haben. Der damalige Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg (CDU) aus Duisburg forderte im Februar 2009 öffentlich die Ablösung des inzwischen pensionierten Polizeipräsidenten Rolf Cebin, nachdem dieser Duisburg als ungeeigneten Standort für die Loveparade ausgesprochen hatte.




Juli 28th, 2010 at 00:41
Duisburg ist das lebende Beispiel für den wirklichen Umfang von Einspar- und Sicherheitspolitik. Hauptsache das Wetter ist gut und die Taschen der 1 Million erwarteten Besucher werden durchsucht. Im Namen der Sicherheit natürlich – aber im Grunde geht es darum, den Festivalbesuchern an diesem heißen Tag, die Trinkflaschen abzunehmen, damit die Stadt Duisburg auch an seine kalkulierten 90 EUR Umsatz pro Besucher kommt. Die Wirtschaft und der Gewinn wird über alle anderen Entscheidungen gestellt.
Das Festivalgelände selbst war für maximal 250.000 Besucher zugelassen, obwohl mehr als vier mal so viele erwartet worden sind. Genehmigungen und fehlende Unterschriften sollen noch am Tag danach eingeholt worden sein – was für ein riesengroßer Skandal für Deutschland.
Das Deutschland, welches im Ausland als die Ordnung schlechthin angesehen wird. Nun gehen Bilder um die Welt von im Stau stehenden Krankenwagen, totgetrampelten Menschen und panikverzierten Gesichtern – und immer wieder feiernde Menschen im Hintergrund, die in ihrem Alkohol – und Drogenrausch von alledem nur am Rande mitbekommen.
Dieses Drama hätte so leicht verhindert werden können – aber es zeigt auf, wie sehr der Kapitalismus Profit über Menschenleben stellt.