Mit Spannung wurde der Kinostart von “Im Winter ein Jahr“ erwartet, dem neuesten Werk der Oscar-Preisträgerin Caroline Link (Nirgendwo in Afrika). Nach einer fünfjährigen Schaffenspause hat Caroline Link dasselbe Problem wie andere Regisseure, die einen Oscar ihr Eigen nennen dürfen: Jeder weitere Film muss den Vorgängerfilm zumindest bestätigen, am besten noch übertreffen. Entsprechend groß sind die Erwartungen an “Im Winter ein Jahr“, einem weiteren Familiendrama der Regisseurin, die sich auf dieses Genre spezialisiert hat. Leider kann aber “Im Winter ein Jahr“, die Verfilmung des Romans “Aftermath“ von US-Autor Scott Campbell, nach Meinung von Filmkritikern den Erwartungen, die seit “Nirgendwo in Afrika“ an Caroline Link gerichtet werden, nicht vollständig gerecht werden. Dies mag zum Einen daran liegen, dass Link als Drehort mit München Vorlieb nehmen musste und nicht, wie zunächst geplant, in den USA drehen konnte. Dort war die Finanzierung geplatzt, nachdem es Link nicht gelungen war, ausreichend Darsteller aus der sogenannten A-Liga zu bekommen. Außerdem vermittelt der Film “Im Winter ein Jahr“ bis zuletzt den Eindruck, als ob nicht alle offenen Fragen der Handlung beantwortet worden seien. Der Film erzählt die Geschichte einer Mutter (Corinna Harfouch), der der Selbstmord ihres Sohnes arg zu schaffen macht. Um über den tragischen Verlust hinwegzukommen, möchte sie ein Bild anfertigen lassen, das den verstorbenen Sohn und dessen Schwester Lilli zeigen und vom homosexuellen Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) angefertigt werden soll. Lilli, gespielt von der überragenden Karoline Herfurth, weigert sich zunächst, sich als Modell für diese makabere Idee zur Verfügung stellen, baut im Laufe der Zeit aber ein inniges Vertrauensverhältnis zu Hollander auf. Am Ende des Tages erweisen sich die gemeinsamen Malstunden für beide angekratzten Seelen als sehr heilsam. Von einem Flop zu reden wäre sicherlich nicht gerecht, zumal Karoline Herfurth eine wahre Meisterleistung vor der Kamera gelungen ist, einem Vergleich mit den vorherigen Link-Filmen “Jenseits der Stille“ und “Nirgendwo in Afrika“ scheint jedoch ebenso unangemessen.


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