Der Meinung wurde am Freitag, den 18. Juli 2008 um 09:06 Uhr veröffentlicht und wurde unter Schulbildung und Schularten abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Die Grundschule ist das Fundament des deutschen Schulwesens.
Angesichts einer, durch das föderale System bedingten, starken Differenzierung des Bildungswesens, ist diese Feststellung weniger selbstverständlich als sie erscheint.
Die Grundschule kann als einzige echte Gesamtschule in Deutschland angesehen werden, auf ihr werden alle Schüler eines Jahrgangs gemeinsam unterrichtet.
Die Grundschule soll die Schüler mit einigen grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten vor allem auf dem Gebiet Schreiben/Rechnen/Lesen ausstatten. Dazu sollen erste naturwissenschaftliche, politische, geschichtliche, musische und ebenfalls EDV-Kenntnisse vermittelt werden.
Ebenso wichtig ist wohl, dass sich hier die erste Begegnung mit einer Lehranstalt vollzieht, der Schüler also das Lernen lernt, erste Erfolge erzielt und mit ersten Frustrationserlebnissen umzugehen hat.
Im Zuge der Reformen, die nach der “PISA”-Erhebung im deutschen Schulwesen durchgeführt werden, bekommt der Schulkindergarten als Vorbereitung auf die Grundschule eine erweiterte Bedeutung.
Im Allgemeinen wird ein Kind nach seinem sechsten Geburtstag in die Grundschule aufgenommen. Die Möglichkeit, den Schuleintritt früher oder später zu vollziehen, ist gegeben.
Allerdings geht die pädagogische Tendenz dahin, mangelnde Schulreife nicht mehr als Anlass für einen späteren Schuleintritt zu akzeptieren, denn Schulfähigkeit wird nicht mehr allein als Ergebnis eines natürlichen Reifeprozesses verstanden, sondern als pädagogische Aufgabe definiert.
Die Grundschule hat vier Klassen. Die Klassen 1 und 2 werden teilweise mit den Schulkindergärten zu einer besonderen Schuleingangsphase integriert.
Die Einführung des Englischunterrichts in der Grundschule, ab der 3. Klasse, ist ein weiterer Ausfluss der aktuellen Neugestaltung des Bildungswesens.
Nach vier Schuljahren werden die Schüler mit einer Empfehlung für die Haupt- oder Realschule oder für das Gymnasium an die weiterführenden Schulen weitergegeben.
Diese Differenzierung, die von Kritikern auch gerne als Selektion bezeichnet wird, gilt selbst unter konservativen Schulpolitikern als neuralgischer Punkt des von ihnen ansonsten verteidigten dreigliedrigen Schulsystems. Tatsache ist, dass manche Schüler als “Spätzünder” angesehen werden müssen, also ihre Fähigkeiten erst zu einem Zeitpunkt zeigen, in dem sie schon das Sieb der Differenzierung passiert haben.
Zwar ist den Kritikern entgegenzuhalten, dass das deutsche Schulsystem wesentlich durchlässiger ist, als von ihnen behauptet – und zwar auch “von unten nach oben” – andererseits liegt es auf der Hand, dass solche Umwege vermieden werden sollten.
Vor diesem Hintergrund fand eine de facto Verlängerung der Grundschule statt. Je nach bildungspolitischer Ausrichtung des Bundeslandes werden die Klassen 5 und 6 unter der Bezeichnung “Erprobungsstufe” als Einheit innerhalb der entsprechenden weiterführenden Schulform angesehen oder die Grundschule wird unter anderer Bezeichnung bis zur Klassenstufe 6 weitergeführt.



