Die meisten von uns haben in der Grundschule gelernt, dass Wörter entweder mit einem Vokal oder mit einem Konsonanten beginnen. Später lernten wir, dass es in der deutschen Sprache auch Halbvokale gibt und dass die Trennung zwischen Selbst- und Mitlauten nicht immer ganz eindeutig ist. Im Englisch-Unterricht lernten wir, dass der eigentliche Konsonant /r/ manchmal wie der Vokal [a] ausgesprochen wird. Das gilt allerdings nicht nur für das Englische, sondern trifft auch auf die westfälische Aussprache des Deutschen zu.

Der Gegenstand der Sprachwissenschaft ist die gesprochene Sprache. Für diese lässt sich die Frage, wie viele deutsche Wörter mit einem Vokal beginnen, recht einfach beantworten. Es gibt kein einziges Wort, welches im Deutschen in der Aussprache mit einem Vokal beginnt. Wenn im Schriftbild ein Vokal am Wortanfang erscheint, tritt in der Aussprache ein konsonantischer Stimmeinsatz auf. Diese Erscheinung wird auch als Knacklaut oder Stoßton bezeichnet und unbewusst gesprochen. Schülern mit deutscher Muttersprache fällt das akzentfreie Sprechen von Sprachen, in denen Vokale am Wortanfang ohne Knacklaut gesprochen werden, schwer, da sie automatisch den Stoßton sprechen. Bewusst sprechen wir den Stoßton bei Wörtern wie beenden oder beeilen, wenn zwei Vokale in der Aussprache voneinander getrennt ausgesprochen werden. Einige Menschen übernehmen auch das vom Duden noch nicht anerkannte große Binnen-I in die Aussprache und schreiben nicht nur /LeserInnen/, sondern sprechen auch konsequent einen Glottalverschluss nach dem [r]. Im Dänischen existiert der Stoßton zusätzlich mitten im Wort, auch wenn keine Vokale zu trennen sind.

Beim Stoßton handelt es sich um einen Kehlkopfverschluss, der mit dem hebräischen Alef zu vergleichen ist. Die jiddische Schreibung verwendet den entsprechenden Buchstaben, sofern der am Wortanfang geschriebene Vokal nicht ohnehin durch ein Alef oder ein Ajin ausgedrückt wird.
In der Lautschrift wird der Stoßton mit dem Zeichen [?] ausgedrückt, allerdings verzichten viele Wörterbücher auf seine Darstellung am Wortanfang.
Wer eine korrekte Lautschrift bevorzugt, soll den Knacklaut jedoch immer angeben.


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