Die Vertrauensbücherei

21.08.2009 Autor: Helmut Agnesson

Einer Vertrauensbücherei begegnete ich erstmals auf der Nordseeinsel Langeoog, dort befinden sich gleich zwei dieser Einrichtungen. Eine von diesen wird von der Kurverwaltung getragen, während die zweite im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde der Insel zu finden ist.
Jede Bücherei verfügt über einen guten und ausreichenden Buchbestand, wobei für den Urlaub geeignete leichte Literatur überwiegt; Kinder- und Jugendbücher sind ebenfalls zahlreich vorhanden.
Bei den Medien handelt es sich sowohl um Taschenbücher als auch um Hardcover-Ausgaben.
Beide Vertrauensbüchereien werden von den Kurgästen gut angenommen.

Das Prinzip einer Vertrauensbücherei
Bei einer Vertrauensbücherei entnimmt der Entleiher die Bücher aus dem Regal; bei der Rückgabe kann er sie entweder dorthin zurückstellen oder auf einen Tisch legen, wobei die Kurverwaltung die letzte Möglichkeit bevorzugt. Wer Bücher spenden möchte, legt diese ebenfalls auf diesen Tisch; der jeweilige Betreiber entscheidet anschließend, ob er die geschenkten Werke katalogisieren möchte.

Die Ehrlichkeit in der Vertrauensbücherei
Eine Vertrauensbücherei funktioniert nur, wenn die Nutzer die ausgeliehenen Medien pfleglich behandeln und sie pünktlich wieder abgeben. In der Realität haben beide Einrichtungen auf Langeoog so gut wie keine Probleme mit Diebstählen und Beschädigungen. Allerdings werden häufig Bücher als Spende abgelegt, welche vom Zustand her nicht für die Weiterverwendung als Leihbücher geeignet sind; dieses Problem lässt sich durch ein Wegbringen der ungeeigneten Gaben zum Papiercontainer recht einfach lösen. Gelegentlich werden Bücher als Geschenk abgegeben, welche auf Grund ihres Inhaltes nicht erwünscht sind, diese werden ebenfalls ohne großen Aufwand entsorgt.

Lässt sich das Prinzip der Vertrauensbücherei auf jede Bibliothek übertragen?
Das Prinzip einer Vertrauensbücherei setzt vermutlich voraus, dass keine sehr kostspieligen Bücher entliehen werden können. Bei Sachbüchern oder Bildbänden mit einem sehr hohen Anschaffungswert ist die Gefahr, dass diese entwendet werden, zu hoch. Daneben fehlt in einer Vertrauensbücherei die den Nutzer beratende Bibliothekarin, der Personalaufwand beschränkt sich auf das Reinigen der Räume sowie das Einräumen zurückgegebener und das Katalogisieren geschenkter Bücher.


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